Über Bevölkerung und Natur

Vor 15000 Jahren gab es in Schweden nur Eis. Eine fast fünf Kilometer dicke Eisschicht lag über dem ganzen Land. Sie schmolz allmählich, und vor 10000 Jahren kamen die ersten Menschen hierher, vor 1000 Jahren bauten sie die ersten Städte.

Heute gibt es knapp neun Millionen Meschen in Schweden. Die Bevölkerung wächst sehr langsam. Jedes Jahr gibt es nur wenig mehr Neugeborene als Sterbende. Die Bevölkerung hätte sich wahrscheinlich verringert, wenn in den letzten Jahrzehnten nicht so viele Einwanderer nach Schweden gekommen wären. 1,6 Millionen Menschen in Schweden sind unter 15 Jahre alt, und fast genauso viele sind über 65 Jahre. In dem Alter wird man pensioniert und braucht nicht länger zu arbeiten.

Die allermeisten Menschen wohnen in Süd- und Mittelschweden, wo es den fruchtbarsten Boden und die meiste Industrie gibt. Nordschweden ist dahingegen ziemlich dünn besiedelt, zwischen den Städten und Ortschaften liegen große Wälder. Im Süden gibt es auch Wälder, mehr als halb Schweden ist mit Wald bedeckt. Die meisten Bäume sind Nadelbäume wie Fichte und Kiefer. Der Wald liefert die Rohstoffe für viele große Industriebetriebe Schwedens.

Im Norden gibt es die Eisenbergwerke und die gewaltigen Flüsse. Heute sind die meisten großen Wasserfälle in den Flüssen mit Kraftwerken versehen, und die Wassermassen liefern einem großen Teil Schwedens den Strom. Der Rest des benötigten Stroms wird in vier Kernkraftwerken in Süd- und Mittelschweden produziert. Aber die Kernkraftwerke sollen nur noch ein paar Jahrzehnte benutzt werden. So viele Schweden haben Angst vor den Folgen eines Unglücks in einem Kernkraftwerk, daß beschlossen worden ist, sie zu schließen. Bis dahin muß man andere Möglichkeiten finden, ausreichend Energie zu gewinnen.

In Nordschweden leben auch die Samen (Lappen), die sich jahrhundertelang von der Rentierzucht ernährt haben. Aber es wird immer schwerer für sie, auf die alte Weise zu leben. Die Dämme der Kraftwerke und die Abholzungen der holzverarbeitenden Industrie verringern ständig das Weideland der Rentiere.

Schweden ist ein Land mit viel Wasser. Außer Flüssen und Bächen gibt es tausende von Seen. Außerdem hat Schweden eine über 2000 Kilometer lange Meeresküste, an einigen Stellen gibt es große Schärengärten mit einem Gewimmel von großen und kleinen Inseln.

An den Wäldern, den Bergen, den Seen und den Küsten haben dank dem Recht zum Gemeingebrauch alle Schweden ihre Freude. Das ist ein Gewohnheitsrecht und kein gesetzliches Recht und besagt, daß sich jeder überall in der Natur aufhalten darf, außer auf dem Grundstück eines anderen. Man darf wilde Beeren und Blumen pflücken, Pilze sammeln und eine Nacht an einer Stelle zelten, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen. Aber gleichzeitig muß man mit der Natur vorsichtig umgehen und darf andere Menschen nicht stören.

Im Norden liegt von Oktober bis April Schnee, und mitten im Winter ist es nur wenige Stunden am Tag hell. Im Süden kommt der Winter ein paar Monate später und ist etwa einen Monat früher zu Ende, auch ist es jeden Tag länger hell.

Glücklicherweise erleuchtet der weiße Schnee die winterliche Dunkelheit. Der Schnee bietet außerdem die Möglichkeit zum Skifahren, was viele Schweden gerne tun. So im März haben die meisten eine große Sehnsucht nach dem Frühling, dem Licht, der Wärme und dem Sommer und seinen hellen Nächten, wenn die Seen so warm geworden sind, daß man wieder in ihnen baden kann. Hoch im Norden ist der Sommer außerdem etwas ganz Besonderes, weil die Sonne einige Wochen lang nicht untergeht. Man sagt, daß die Mitternachtssonne scheint.