Schweden, Chronik


Ab 9000 v. Chr.

Nach dem Schmelzen des Eises, das große Landesteile des heutigen Königreichs Schweden bedeckte, kommen die ersten Menschen ins Land.
(Das Königreich Schweden ["Konungariket Sverige"] nimmt mit einer Länge von über 2.000 Kilometern und einer Breite von bis zu 350 Kilometern den größten Teil der Skandinavischen Halbinsel ein, und ist mit 449.964 Quadratkilometern das viertgrößte Land Europas.)

Um 2500 v. Chr.

Das Gebiet des heutigen Süd- und Mittelschweden ist von altgermanischen Stämmen besiedelt.

Um 580 n. Chr.

Die im Süden des heutigen Schweden lebenden Gauten (Göten) werden von den etwas weiter nördlich angesiedelten Svear unterworfen.

Ab Mitte 9. Jahrhundert

Die Svear vereinen unter dem Königsgeschlecht der Ynglinger allmählich das Gebiet des heutigen Mittel- und Südschweden (einschließlich der Ostseeinseln Öland und Gotland) zu einem Einheitsreich.

Ab 862 n. Chr.

Schwedische Wikinger dringen, angeführt von Fürst Rurik aus Süd-Jütland (Dänemark), über die Ostsee bzw. das heutige Finnland auf das Gebiet des heutigen Russland vor, gründen Nowgorod und Kiew und betreiben Handel bis nach Konstantinopel.
(Über den Ursprung der Bezeichnung "Wikinger" für die "Männer des Nordens", den Altnordisch sprechenden Vorfahren der Norweger, Schweden und Dänen, gibt es verschiedene Meinungen. Sicher ist nur, dass der Begriff ab Ende des 8. Jahrhunderts bis zum Ende des 11. Jahrhunderts mit "Seeräuber" gleichgesetzt wurde. Es gab damals in Skandinavien - dieser Name stammt von Plinius, der das unbekannte Land jenseits von Jütland als "Scatinavia" bezeichnete - so viele umherziehende germanische Stämme und Heiraten unter den Häuptlingsfamilien, dass von nationaler Identität im heutigen Sinne keine Rede sein konnte. Der schwedische Professor Jan Ivarsson sagte einmal: "Die Wikinger waren kein Volk, sondern ein Beruf. Während eines Teils des Jahres betätigten sich die "Nor[d]mannen" als Bauern, Handwerker und hervorragende Schiffsbauer und während der übrigen Zeit eben als "Wikinger", d.h. als Entdecker und Eroberer von Ländern und Meeren sowie als Kaufleute und Söldner." Grob gesehen kann man sagen, dass die Wikinger, die über Land nach Russland, wo sie von den dort lebenden Slawen "Waräger" genannt wurden, und schließlich bis nach Konstantinopel vordrangen, vorwiegend "Schweden" gewesen sein müssen, während die "Norweger" gen Westen nach Schottland und Irland segelten, um schließlich über die Orkney-, Shetland- und Faröer Inseln nach Island und Grönland und sogar bis nach Amerika vorzudringen. Die "Dänen" hingegen beschränkten sich auf Deutschland, England, Frankreich ["Normandie"], Spanien, Sizilien und Süditalien.)

Ab 9. Jahrhundert

Missionare des Erzbistums Hamburg-Bremen beginnen mit der Christianisierung der Bevölkerung im heutigen Schweden.

Ab 1155

Schwedenkönig Erik IX. (der Heilige) legt das Gelübde ab, die heidnischen Finnen zum christlichen Glauben zu bekehren und zieht zum sogenannten "Ersten Schwedenkreuzzug" übers Meer.

1164

Uppsala, die Hauptstadt des Schwedenreiches, wird Erzbistum.

Ab 1249

Der Reichsverweser Birger Jarl gründet in Schweden die bis 1365 herrschende Dynastie der Folkunger und die Hauptstadt Stockholm (Pfahlinsel), vereinheitlicht die Gesetzgebung, fördert den Handel mit der deutschen Hanse, die in Visby auf der Insel Gotland einen ihrer Hauptsitze errichten, und besiegt im sogenannten "Zweiten Schwedenkreuzzug" die Truppen des russischen Fürsten Alexander Newskij. Bis zu seinem Tod im Jahre 1266 erobert er das ganze Gebiet des heutigen Finnland und gliedert es dem "Svea-Rike" (Schwedenreich) an.

1319

Der erst dreijährige Magnus Eriksson wird vom inzwischen zu Macht gekommenen Landadel zum König von Schweden gewählt. Da er zugleich Erbe des norwegischen Königs ist, sind die beiden Reiche nun in Personalunion vereint.

Ab 1360

Schweden verliert in Kriegen gegen Dänemark die Ostseeinseln Öland und Gotland sowie die Südprovinz Schonen.

1363

Magnus Eriksson, der letzte Folkunger, wird aus Schweden vertrieben. Neuer Schwedenkönig wird Albrecht III. von Mecklenburg, der sich auf Kosten des Adels riesige Ländereien aneignet.

1389

Margarete von Dänemark, die Schwiegertochter von Magnus Eriksson, die seit dem Tod ihres Sohnes Olaf 1387 Regentin von Norwegen und Dänemark ist, wird vom schwedischen Adel zur Königin von Schweden gewählt.

1397

Königin Margarethe I. macht ihren Neffen Erich von Pommern zum Herrscher drei Königreiche Norwegen (mit Island, Grönland und Faröer Inseln), Schweden (mit Finnland) und Dänemark, deren Union im schwedischen Kalmar vertraglich festgelegt wird ("Kalmarer Union").

Ab 1434

Die Schweden erheben sich unter Führung von Engelbrekt Engelbrektsson, einem vom schwedischen Adel unterstützten Bergwerksbesitzer, gegen die Vorherrschaft der Dänen. Diese können zwar die Union formal noch aufrecht erhalten, doch die eigentliche Macht geht auf den schwedischen Reichstag, einer Art Volksvertretung und die jeweiligen Reichsverweser über (u.a. Sten Sture d.Ä., Swante Nilsson, Sten Sture d.J.).

1520

Der neue Dänenkönig Christian II. will seine Macht in Schweden wieder festigen und ordnet eine Massenhinrichtung der Führer der schwedischen Unabhängigkeitspartei an ("Stockholmer Blutbad").

1523

Der Reichsverweser Gustav Wasa aus der Familie der Sture verjagt nach dreijährigem Kampf den dänisch-norwegischen König Christian II. aus Schweden und löst Schweden aus der Union mit Dänemark. Als König Gustav I. enteignet er zur Sanierung der Staatsfinanzen die Großgrundbesitzer und die katholische Kirche und erklärt den lutherischen Protestantismus zur Staatsreligion. Gleichzeitig fördert er den nationalen Handel, indem er das Monopol der deutschen Hanse abschafft.

1544

König Gustav I. führt in Schweden die Erbmonarchie ein.

1561

Schwedenkönig Erik XIV. (1560-68), der im Baltikum ein schwedisches Imperium aufbauen will, besetzt Estland mit der Hauptstadt Reval.

Ab 1563

Erik XIV. und sein Sohn Johann III. (1568-92) besetzen im Siebenjährigen Krieg große Teile Dänemarks und, um Zugang zum Meer im Westen zu erhalten, auch Gebiete Norwegens.

1570

Nach Unterzeichnung des Friedensvertrags von Stettin muss Schweden einen Großteil der eroberten Gebiete wieder an das Königreich Dänemark-Norwegen zurückgeben.

1592

Der polnische König Sigismund Wasa, der Sohn von Johann III. und der polnischen Königstochter Katharina, wird König von Schweden. Da er den Katholizismus wieder einführen will, wird er jedoch 1607 zugunsten seines Onkels Carl von Södermanland abgesetzt, der Schweden als Carl IX. bis 1611 regiert.

Ab 1611

Nach dem Tode von Carl IX. wird sein Sohn Gustav II. Adolf neuer schwedischer König. Er besetzt halb Dänemark, fügt Estland noch das polnische Livland sowie einige russische Gebiete hinzu und dringt über Preußen nach Pommern vor. Die Ostsee ist somit "Schwedisches Binnengewässer".

1630

König Gustav II. Adolf greift in den Dreißigjährigen Krieg (1618-48) ein und rückt bis an den Main vor.

16. November 1632

Schwedenkönig Gustav II. Adolf fällt in der Schlacht bei Lützen in der Nähe von Leipzig. Seine erst 6jährige Tochter Christine folgt ihm auf den Thron, steht zunächst jedoch noch unter der Vormundschaft ihres Erziehers und Lehrers Axel Oxenstiernas.

1638

Die Schweden gründen in Nordamerika an der Delaware-Mündung Fort Christina.

1648

Im "Westfälischen Frieden" werden Schweden die deutschen Gebiete Vorpommern, Rügen, Verden, Bremen und Wismar zugesprochen.

1654

Königin Christine von Schweden - sie beherrscht inzwischen außer Latein noch sieben weitere Sprachen - tritt zum Katholizismus über und dankt zugunsten ihres Vetters Carl X. Gustav aus dem Hause Pfalz-Zweibrücken ab, der u.a. sein Heer über die zugefrorenen Meerengen bis in das Innere Dänemark führt, was als eines der kühnsten militärischen Unternehmen in die Kriegsgeschichte eingegangen ist, und die Kontrolle über den Öresund und die östliche Ostsee übernimmt.

1655

Die Holländer erobern Fort Christina. Damit ist der erste und einzige Kolonialversuch der Schweden in Nordamerika beendet.

Ab 1697

Nach dem Tode von Carl XI., der Schweden einige Friedensjahre und damit wirtschaftlichen Aufschwung beschert hatte, besteigt sein Sohn als Carl XII. den Thron. Gleichzeitig verbünden sich Russland, Polen, Dänemark und Norwegen gegen Schweden, das im "Großen Nordischen Krieg" (1700-21) seine Großmachtstellung nicht halten kann und im "Frieden von Nystad/Uusikaupunki" auf die meisten deutschen und dänischen Gebiete sowie die baltischen und russischen Provinzen wieder verzichten muss. Darüber hinaus sind durch die ständige Abwesenheit des Königs die schwedischen Reichsstände wieder an die Macht gelangt.

1743

Nach einem weiteren verlorenen Grenzkrieg gegen Russland zur Zeit von Zarin Elisabeth I. muss Schweden im "Frieden von Turku/Åbo" das ganze südöstliche Finnland (Karelien) (Karelien) mit dem Ladogasee (mit fast 18.000 Quadratkilometern der größte See Europas) an Russland abtreten.

1771

König Gustav III. aus dem Hause Holstein-Gottorp, ein Neffe von Preußenkönig Friedrich II., setzt in Schweden den Absolutismus wieder durch und schafft die Ständeherrschaft ab. Zudem sorgt er für den Fortschritt in kultureller Hinsicht (u.a. Gründung der Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Uppsala 1786).

29. März 1792

Gustav III. wird während eines Maskenballs erschossen. Sein Sohn Gustav IV. folgt ihm auf den Thron.

1809

Gustav IV. verliert als Verbündeter Englands im Krieg gegen Napoleon Bonaparte Finnland an Russland. Er wird gestürzt, und sein Onkel Carl XIII. aus dem Hause Holstein-Gottrop besteigt den schwedischen Thron. Er unterzeichnet mit Russland, Dänemark und Frankreich Friedensverträge. Unter dem Einfluss der Französischen Revolution setzt sich auch in Schweden die parlamentarische Monarchie durch.

1810

Der kinderlose Carl XIII. adoptiert auf Beschluss des Reichstags den französischen Marschall und Schwager von Napoleon Bonaparte, Jean-Baptiste Bernadotte, und macht ihn somit zum Kronprinzen und eigentlichen Machthaber über Schweden. Man erhofft sich dadurch die Hilfe Napoleons bei der Rückeroberung des an Russland verlorenen Finnland. Bernadotte, der 1811 die Regentschaft über Schweden übernimmt, geht jedoch eine Allianz mit Russland und Großbritannien gegen Napoleon ein.

1813

Die Truppen von Jean-Baptiste Bernadotte fallen in Dänemark ein.

1814

Im Kieler Friedensvertrag verpflichtet sich der dänisch-norwegische König Frederik VI., Norwegen an Schweden abzutreten (ohne Grönland, Island und Faröer Inseln). Die Norweger jedoch rufen eine eigene Verfassung aus und gründen ein Parlament. Erst nach dem Einmarsch der Schweden in Norwegen erkennen sie die Union an.

Ab 5. Februar 1818

Nach dem Tode von Carl XIII. herrscht Bernadotte bis 1844 als Carl XIV. Johann über Schweden. Ihm folgen die gesamtskandinavisch orientierten Könige Oskar I. (1844-1859) und Carl XV. (1859-1872), die neben zahlreichen weiteren Reformen (u.a. Gründung des Volksschulwesens (1842), Besserstellung der Frau, Einführung der Gewerbefreiheit [1841] und des Freihandels [1860]) anstelle des Ständereichstags das Zweikammern-Parlament einführen (1865) und eine Neutralitätspolitik betreiben.

Ab 1850

Mit Erfindung der Dampfsäge und der Erschließung neuentdeckter Erzvorkommen beginnt in Schweden das Industriezeitalter und der wirtschaftliche Aufschwung. Trotz Schaffung neuer landwirtschaftlicher Anbauflächen reichen die Ernterträge für die schwedische Bevölkerung kaum noch aus. Deshalb emigriert bis 1930 mindestens eine Million Schweden aus den ländlichen Regionen nach Amerika (vor allem USA und Kanada).

1895

Der schwedische Chemiker Alfred Nobel gründet kurz vor seinem Tod eine Stiftung, die alljährlich einen Preis für bedeutende Leistungen auf den Gebieten der Physik, Chemie, Medizin und Physiologie und Literatur sowie für den Erhalt des Völkerfriedens vorsieht.

25. November 1905

Norwegen wird nach einer Volksabstimmung mit Einwilligung Schwedens - König Oskar II. verzichtet auf die norwegische Krone - unabhängige parlamentarische Monarchie.

Ab 1914

Schweden kann sich im Ersten Weltkrieg seine Neutralität bewahren.

1919

Per Verfassungsänderung wird in Schweden das allgemeine Wahlrecht für beide Kammern und das Frauenstimmrecht eingeführt. Dadurch gewinnen bei den kurz darauf durchgeführten Parlamentswahlen die Sozialdemokraten die Mehrheit. Sie fördern die weitere Modernisierung Schwedens und sorgen für soziale Reformen, die das Land nach und nach zu einem Wohlfahrtsstaat machen, der in ganz Europa seinesgleichen sucht.

1921

Der Völkerbund spricht Finnland die Ålandinseln zu, die zuvor Schweden beansprucht hatte.

Ab 1939

Schweden kann sich seine Neutralität auch im Zweiten Weltkrieg bewahren und nimmt zahlreiche Flüchtlinge aus den von Hitler-Deutschland besetzten Gebieten (z.B. Norwegen) auf. 1945 bewilligt die schwedische Regierung unter Ministerpräsident Per Albin Hansson die Aufstellung eines schwedischen Freiwilligenkorps, das in Norwegen gegen die Deutschen kämpfen will, verweigert aber ein offizielles Eingreifen. Durch die Kriegshandlungen verliert Schweden 235 Schiffe und fast 1.400 Männer.

Ab 1946

Nach dem Tod von Per Albin Hansson wird der Sozialdemokrat Tage Fritiof Erlander neuer schwedischer Regierungschef. Er sorgt (bis 1969) für den weiteren Ausbau des Wohlfahrtstaates. Schweden wird Mitglied der Vereinten Nationen.

1949

Schweden wird Mitglied des Europarats, verweigert jedoch den Beitritt zum NATO-Verteidigungsbündnis (North Atlantic Treaty Organization).

29. Oktober 1950

Nach dem Tod von König Gustav V. besteigt sein 68jähriger Sohn als Gustav VI. Adolf den schwedischen Thron.

November 1951

Schweden, Norwegen und Dänemark gründen den "Nordischen Rat" (Island tritt 1952 bei und Finnland 1955), der die kulturelle und sozialpolitische Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten fördern soll.

1961

Das 1628 vor Stockholm gesunkene und 1956 entdeckte Flaggschiff der königlichen Flotte "Wasa" wird aus seinem luftdichten Schlammgrab geborgen.

1969

Das schwedische Zweikammernparlament wird in ein Einkammersystem umgewandelt. Der "Riksdag" wird über das Verhältniswahlrecht für drei Jahre vom Volk gewählt. Nach dem Rücktritt von Tage Fritiof Erlander wird der reformfreudige Olof Palme Ministerpräsident und Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei. Er verurteilt die Apartheidpolitik der südafrikanischen Regierung und bezeichnet den Vietnamkrieg der USA als Verbrechen. Dies führt zum (vorübergehenden) Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Schweden.

1971

Schweden verweigert nach einem Referendum den Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft.

1973

Ein 1972 unterzeichneter Freihandelsvertrag mit der Europäischen Gemeinschaft tritt in Kraft. Nach dem Tod von König Gustav VI. Adolf (15. September) besteigt sein 27jähriger Enkel als Carl XVI. Gustav den schwedischen Thron.

1. Januar 1975

Nach Inkrafttreten einer neuen Verfassung bleiben dem schwedischen Königshaus nur noch rein repräsentative Funktionen.

April 1975

Terroristen besetzen die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Sie fordern die Freilassung der 1974 zu langen Haftstrafen verurteilten Mitglieder der "Baader-Meinhof-Bande". Bei der Befreiungsaktion kommen zwei Botschaftsangehörige ums Leben.

Oktober 1976

Aufgrund einer anhaltenden Wirtschaftskrise wird die sozialdemokratische Regierung unter Olof Palme durch eine Koalition konservativ-liberaler Parteien abgelöst. Thorbjörn Fälldin wird neuer schwedischer Ministerpräsident.

Januar 1981

Das Oberste Gericht in Stockholm weist den Anspruch der Lappen (Samen) auf ein eigenes Territorium ab.

8. Oktober 1982

Nach dem Rücktritt von Thorbjörn Fälldin wird Olof Palme erneut schwedischer Regierungschef.

Oktober 1983

Schweden und Dänemark einigen sich in noch strittigen Grenzfragen (Öresund, Kattegat, Bornholm, Skagerrak) auf das Mittellinienprinzip.

28. Februar 1986

Olof Palme wird in Stockholm auf offener Straße hinterrücks erschossen. (Der Attentäter ist bis heute nicht gefunden.) Sein Stellvertreter, Ingvar Carlsson, übernimmt das Amt des Ministerpräsidenten.

1990

Schweden steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit 1930.

1991

Die Sozialdemokraten werden von den Konservativen bei Wahlen geschlagen. Carl Bildt wird neuer schwedischer Ministerpräsident. Auch er kann die hohe Staatsverschuldung nicht senken, ist aber ebenfalls bestrebt, die Sozialausgaben nicht zu mindern.
Schweden stellt einen Antrag auf Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft.

1992

Angesichts der hohen Staatsverschuldung und der derzeitigen Währungskrise einigen sich Konservative und Sozialdemokraten erstmals seit 50 Jahren auf ein gemeinsames Sparpaket, das v.a. eine drastische Senkung der Sozialausgaben und Steuererhöhungen beinhaltet. Darüber hinaus soll ein Teil der Staatsunternehmen privatisiert werden.

1993

Die rund 16.000 Samen ("Sumpfmenschen"; Bevölkerung Lapplands nördlich des Polarkreises) in Schweden, die seit langem ein eigenes Territorium fordern, erhalten ihr eigenes Parlament in Kiruna, das die Nutzung von Ressourcen lenken sowie über den Erhalt der samischen Sprache und Tradition wachen soll, sowie eine jährliche Abschlagszahlung aus Stockholm zum Erhalt ihrer Kultur.

Oktober 1994

Die Reichstags-Wahlen gewinnen erneut die Sozialdemokraten unter Ingvar Carlsson.
Die Staatsverschuldung Schwedens beträgt mittlerweile 100% des Bruttosozialprodukts.

1. Januar 1995

Nachdem sich 52% der Bevölkerung per Volksabstimmung für einen Beitritt zur EU ausgesprochen haben, wird Schweden Vollmitglied der Europäischen Union.

August 1995

In Göteborg, der größten Hafenstadt Schwedens (450.000 Einwohner) und Standort des größten schwedischen Konzerns Volvo, finden vom 4. Bis 13. August die fünften Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt.

März 1996

Der 47jährige Sozialdemokrat und bisherige Finanzminister Göran Persson wird zum neuer schwedischen Ministerpräsidenten gewählt. Er erklärt den Abbau des Haushaltsdefizites bis 1998 sowie eine Senkung der Arbeitslosenrate von derzeit fast 13% auf 4% bis ins Jahr 2000 zum Hauptziel seiner Amtsperiode.

April 1996

Schweden, Norwegen, Dänemark und die Niederlande erteilen homosexuellen Paaren beiderlei Geschlechts das Recht auf Eheschließung und die Adoption von Kindern.

1. November 1996

Rund 3.000 Schweden demonstrieren vor dem Parlamentsgebäude in Stockholm gegen den rigorosen Sozialabbau (Reduzierung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Einschränkungen beim Arbeitslosengeld, Kürzung des Kindergeldes, des Erziehungsgehalts, des Wohnungsgeldes, Erhöhung des Rentenalters usw.) und die hohe Arbeitslosigkeit von fast 13%.

Juni 1997

Das schwedische Parlament beschließt, dass Schweden in Zukunft völlig auf Atomenergie verzichten wolle (derzeit wird in Schweden noch etwa die Hälfte des Energiebedarfs mit Atomkraft gedeckt). Der erste von insgesamt 12 Atomreaktoren soll 1998 abgeschaltet werden, die übrigen werden, nach Erschließung neuer Energiequellen, nach und nach ab dem Jahre 2001 folgen.
Darüber hinaus gibt Ministerpräsident Göran Persson bekannt, dass Schweden mit dem Beitritt zur Europäischen Währungsunion (EWU) warten und bei der Einführung des Euro am 1. Januar 1999 noch nicht dabei sein will. Die schwedische Bevölkerung soll bei der nächsten Parlamentswahl im September 1998 oder per Referendum über einen eventuellen Beitritt im Jahre 2000 entscheiden.

20. September 1998

Bei den Parlamentswahlen müssen die Sozialdemokraten mit 36,6% das schlechteste Ergebnis seit 1920 hinnehmen, bleiben jedoch mit 131 von insgesamt 349 Sitzen im Reichstag weiterhin stärkste politische Kraft in Schweden. Ministerpräsident Göran Persson, dem es bisher immerhin gelungen ist, die Arbeitslosenrate von 13% (1996) auf knapp 6% zu senken, macht die Sparpolitik seiner Regierung für die Stimmeneinbußen verantwortlich. Er bleibt weiterhin im Amt und bildet eine Koalitionsregierung aus Sozialdemokraten, Linkspartei und Grünen.

30. Oktober 1998

Bei einem Feuer in einer hoffnungslos überfüllten Diskothek im mazedonischen Kulturzentrum in Götborg kommen 63 Jugendliche ums Leben, weitere 200 werden z.T. schwer verletzt. Die meisten Opfer sind Kinder von Flüchtlingsfamilien aus Jugoslawien, Äthiopien und Somalia

Quelle: "Multimedia-Lexikon 2000 Das interaktive Nachschlagewerk"
Verlag Unilex